Effizienzhaus-55-Plus-Förderung läuft dank Aufstockung bis Jahresende
Der Bund stockt die Fördermittel für Effizienzhaus-55-Plus-Neubauten auf. Was das für Bauherren bedeutet und wie teuer Wärmepumpe & Co. wirklich sind.
Der Bund stellt zusätzliche Mittel für die Effizienzhaus-55-Plus-Förderung bereit, damit das Programm für Neubauten bis zum Jahresende 2026 weiterläuft. Das berichtet das Deutsche Handwerksblatt unter Berufung auf das Bundesbauministerium.
Was ist passiert
Das ursprünglich für die EH55-Plus-Förderung eingeplante Budget von 800 Millionen Euro wäre wegen der hohen Nachfrage der vergangenen Monate laut Bundesbauministerium bald ausgeschöpft gewesen. Seit dem Programmstart im Dezember 2025 wurden bis Anfang Oktober 2026 nach Ministeriumsangaben rund 52.100 Wohneinheiten mit einem Kredit- und Zuschussvolumen von rund 4,9 Milliarden Euro über die KfW gefördert (KfW-Kredit Nr. 297/298). Mit den zusätzlichen Mitteln soll die drohende Förderlücke vorerst abgewendet werden.
Gefördert werden laut Handwerksblatt der Neubau und der Ersterwerb von Wohn- und Nichtwohngebäuden im Effizienzhaus- beziehungsweise Effizienzgebäudestandard 55, bei denen die Wärmeerzeugung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erfolgt. Voraussetzung ist eine gültige Baugenehmigung zum Zeitpunkt der Antragstellung. Es gibt zinsverbilligte KfW-Kredite von bis zu 100.000 Euro je Wohneinheit, Kommunen können zusätzlich einen Zuschuss von 7,5 Prozent direkt bei der KfW beantragen. Anträge sind möglich, bis die aufgestockten Mittel verausgabt sind – spätestens aber bis zum Jahresende, mit Antragseingang bei der KfW am 31. Dezember 2026.
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) begrüßt die Aufstockung. Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa wird mit den Worten zitiert, die Fortsetzung sei "ein gutes und wichtiges Signal für die Branche". Der Verband wirbt dafür, die Förderung bis zum Start der geplanten "Zwei-Programme-Welt" im Sommer 2027 durchgehend fortzuführen, da zwei Drittel der Wohnungsbauaufträge von Familien und kleinen Investoren kämen, die Planungssicherheit brauchten.
Was das für Bauherren bedeutet
Wer gerade ein Effizienzhaus-55-Plus plant oder bereits eine Baugenehmigung in der Tasche hat, muss die zinsverbilligten KfW-Kredite also nicht mehr überstürzt vor einem möglichen Förderstopp beantragen – das Programm läuft nach aktuellem Stand bis Jahresende weiter. Wer erst später eine Baugenehmigung erhält, sollte den Antragstermin im Blick behalten, da die Mittel laut Ministerium erschöpfbar sind.
Die zentrale bauliche Konsequenz des Effizienzhaus-55-Plus-Standards: Die Wärme muss komplett aus erneuerbaren Energien kommen. In der Praxis heißt das für die meisten Neubauten eine Wärmepumpe. Nach unserer Kalkulation aus Arbeitsstunden, regionalen Löhnen und Materialkosten – abgeglichen mit Marktpreisen und echten Angeboten – liegt eine Wärmepumpe im mittleren Segment bei 21.000 € – 35.100 € Euro, typisch rund 27.000 € Euro. Details und die volle Preisspanne nach Leistungsklasse finden Sie im Wärmepumpe.
Viele Bauherren kombinieren die Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage, um den Stromverbrauch der Anlage zumindest teilweise selbst zu decken. Eine typische 6-kWp-Anlage kostet bei uns im mittleren Segment 7.300 € – 12.200 € Euro – dank der 0-Prozent-Mehrwertsteuer auf Photovoltaikanlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden inklusive Speicher. Mehr dazu im Photovoltaik.
Und wer saniert statt neu zu bauen?
Die EH55-Plus-Förderung gilt nur für Neubau und Ersterwerb – für bestehende Gebäude gelten andere Förderwege. Wer die Heizung in einem Bestandsgebäude auf eine Wärmepumpe umstellt, kann über die KfW-Heizungsförderung 458 eine Grundförderung von 30 Prozent erhalten, bis 31. Januar 2027 zuzüglich eines Geschwindigkeitsbonus von 16 Prozent (danach sinkend) sowie einen Einkommensbonus von bis zu 40 Prozent für Haushalte bis 30.000 Euro Jahreseinkommen. Förderfähig sind dabei maximal 28.000 Euro Kosten für die erste Wohneinheit, der Zuschuss ist auf 22.400 Euro gedeckelt. Eine reine Gas-Brennwertheizung fällt nicht unter diese Förderung – wer eine alte Gastherme einfach wie gewohnt austauschen lässt, kalkuliert das besser separat; dafür bietet unser Gastherme austauschen eine Orientierung.
Für Fenster und Dämmung an der Gebäudehülle gibt es über BAFA-Einzelmaßnahmen 15 Prozent Zuschuss, bei Vorhaben ab 30.000 Euro mit individuellem Sanierungsfahrplan sogar 20 Prozent. Wer eine neue Fassadendämmung oder einen Fenstertausch plant, findet die aktuellen Kosten im Fassadendämmung und im Fenstertausch.
Angebote vergleichen lohnt sich
Ob Neubau mit Wärmepumpe oder energetische Sanierung im Bestand: Förderbedingungen ändern sich, wie der ZDB selbst anmerkt, oft schneller als ein Bauprojekt dauert. Bevor Sie einen Kredit- oder Zuschussantrag stellen, lohnt sich daher ein Blick auf die tatsächlichen Marktpreise für die geplanten Arbeiten – und ein Check, ob ein vorliegendes Angebot im üblichen Rahmen liegt, etwa mit unserem "Ist mein Angebot fair"-Tool. So lässt sich vermeiden, dass eine großzügige Förderung am Ende durch ein überteuertes Angebot wieder aufgefressen wird.