Kostenratgeber › Ratgeber & News › Bad & Küche

News

Handwerk unter Druck: Was das für Ihre Sanierungskosten bedeutet

Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern melden sinkende Auftragsbücher und steigende Kosten – was das für Handwerkerpreise bei Renovierungen heißt.

Handwerksbetriebe spüren gerade zwei gegenläufige Trends gleichzeitig: Material-, Energie- und Lohnzusatzkosten steigen, während viele Kundinnen und Kunden bei Aufträgen zurückhaltender werden. Für Sie als Auftraggeber heißt das: kürzere Wartezeiten auf einen Handwerkertermin, aber keine spürbare Entlastung bei den Preisen.

Was laut Bericht passiert ist

Laut Nordkurier ist der Geschäftsklimaindex der Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern binnen eines Jahres von 104,1 auf 98,2 Punkte gefallen – der schlechteste Wert seit fünf Jahren. Der durchschnittliche Auftragsvorlauf der Betriebe liegt demnach nur noch bei 9,6 Wochen, gegenüber 11,9 Wochen im Vorjahr.

Besonders betroffen ist laut dem Bericht das Bauhauptgewerbe: 46 Prozent der Betriebe erwarten dort weiter sinkende Aufträge, ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent. Nur noch ein Drittel der Baubetriebe schätzt die eigene wirtschaftliche Lage als gut ein. Insgesamt rechnet jeder dritte Handwerksbetrieb mit sinkenden Umsätzen, und jeder zweite plant laut der Umfrage vorerst keine Investitionen. Auch im Kfz-Handwerk sind laut Nordkurier Ersatzteile um sechs Prozent teurer geworden, während mehr als ein Drittel der Betriebe dort eine schlechtere Geschäftslage erwartet. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Jens-Uwe Hopf, bringt die Lage der Verbraucher so auf den Punkt: „Am Ende hat der Verbraucher nur einen Euro zum Ausgeben – für Werkstatt, Neuwagen oder Benzin.“

Die Handwerkskammern fordern dem Bericht zufolge, dass angekündigte öffentliche Investitionen tatsächlich bei regionalen Betrieben ankommen, da diese allein die Lage nicht stabilisieren würden – zusätzliche private Aufträge seien ebenso nötig.

Was das für Ihre Renovierung bedeutet

Für Hauseigentümerinnen und Mieter mit Sanierungsplänen ergeben sich daraus zwei praktische Punkte:

  • Kürzere Wartezeiten. Ein sinkender Auftragsvorlauf bedeutet tendenziell, dass Betriebe freiere Kapazitäten haben und Termine schneller vergeben können als noch vor einem Jahr.
  • Keine automatische Preissenkung. Die gemeldeten Kostentreiber sind Material, Energie und Lohnzusatzkosten – das schlägt sich in Angeboten nieder, unabhängig davon, wie voll das Auftragsbuch eines Betriebs ist. Weniger Konkurrenz um Termine heißt nicht automatisch weniger Konkurrenz um den Preis.

Wenn Sie zum Beispiel ein Bad modernisieren, liegt eine typische Badsanierung aktuell bei 10.000 €, je nach Ausstattung zwischen 5.700 € – 9.500 € für einfache Lösungen und 10.600 € – 17.600 € für Premium-Ausführungen. Bei einer neuen Küche bewegt sich die Spanne meist bei 7.000 € – 11.700 €. Diese Preise werden regelmäßig anhand von Arbeitsstunden × regionalen Stundensätzen plus Materialkosten berechnet und mit Marktpreisen und echten Angeboten abgeglichen – sie spiegeln also schon die aktuelle Kostenlage der Betriebe wider, nicht nur Listenpreise.

Wer größere Vorhaben wie eine Wärmepumpe oder einen Fenstertausch plant, profitiert davon, jetzt mehrere Angebote einzuholen, solange Betriebe wieder etwas freiere Kapazitäten melden. Nutzen Sie dafür unser „Ist mein Angebot fair?“-Tool, um ein eingeholtes Angebot gegen die aktuelle Kostenlage zu prüfen, bevor Sie unterschreiben.

Steuerliche Entlastung nicht vergessen

Wenn Ihr Vorhaben nicht gefördert wird, können Sie die Arbeitskosten eines Handwerkerauftrags über die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG geltend machen: 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1.200 Euro pro Jahr. Das gilt unabhängig von der aktuellen Auftragslage der Betriebe und kann einen Teil der gestiegenen Kosten auffangen. Bei Maßnahmen an der Heizung oder der Gebäudehülle lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die KfW- und BAFA-Förderungen, die wir in den jeweiligen Kostenratgebern erläutern.

Unser Rat

Eine angespannte Auftragslage im Handwerk ist für Sie als Kundin oder Kunde kein Grund, Angebote weniger sorgfältig zu prüfen – im Gegenteil: Gerade wenn Betriebe wieder Spielraum im Terminkalender haben, lohnt es sich, mehrere Angebote zu vergleichen und auf eine klare, nachvollziehbare Kalkulation zu bestehen. Unsere Kostenratgeber geben Ihnen dafür eine aktuelle, regional abgeglichene Vergleichsbasis, bevor Sie sich für einen Betrieb entscheiden.

Mehr aus der Redaktion