Kostenratgeber › Ratgeber & News › Fundament, Feuchtigkeit & Dachausbau

Ratgeber

Dachausbau: Gaube oder Dachfenster – was kostet was?

Dachfenster, Schleppgaube oder Satteldachgaube: Wir vergleichen die Kosten beim Dachausbau und zeigen, wann sich der Aufpreis für die Gaube lohnt.

Ein Dachausbau mit reinen Dachfenstern kostet bei 30 m² typischerweise 33.000 €, mit Schleppgaube auf der Rückseite 43.500 € und mit Satteldachgaube 49.900 €. Alle Werte sind Bruttopreise inklusive 19 % MwSt. und beziehen sich auf den mittleren Ausbaustandard ohne Bad.

Die Gesamtspanne für einen Dachausbau dieser Größe liegt bei 25.700 € – 42.800 €. Die Frage ist also weniger, ob eine Gaube „teuer" ist, sondern ob sie Ihnen genug zusätzliche Nutzfläche bringt, um den Aufpreis zu rechtfertigen. Den Gesamtrahmen finden Sie in unserem Dachausbau.

Die drei Varianten im Überblick

Material Typisch Übliche Spanne Lebensdauer
Dachflächenfenster, ohne Gaube 33.000 € 25.700 € – 42.800 € –
Schleppgaube 43.500 € 33.900 € – 56.600 € –
Satteldachgaube 49.900 € 38.900 € – 64.800 € –

So rechnen wir: Arbeitsstunden × regionale Stundensätze plus Material, abgeglichen mit Marktpreisen und echten Angeboten. Bei Gauben kommen Zimmerer-, Dachdecker- und Klempnerarbeiten für Konstruktion, Eindeckung und Anschlüsse hinzu. Bei Dachfenstern entfallen sie weitgehend.

Dachfenster: günstig, aber oft weniger Fläche

Dachfenster sind der Einstieg. Sie bringen viel Licht, schneiden aber nicht in die Dachform ein. Das hat eine Kehrseite, die in der Praxis oft unterschätzt wird.

Nach § 4 der Wohnflächenverordnung zählen Flächen mit mindestens 2 m lichter Höhe voll, zwischen 1 m und 2 m nur zur Hälfte, darunter gar nicht. Bei einem flach geneigten Dach mit niedrigem Kniestock fällt ein großer Teil Ihrer 30 m² Grundfläche in die Halbwertzone oder ganz heraus. Sie bezahlen dann den Ausbau von Fläche, die rechtlich und im Alltag kaum zählt.

Dachfenster lohnen sich, wenn:

  • das Dach steil ist und bereits viel Fläche mit voller Stehhöhe bietet,
  • Sie einen Raum für Arbeiten, Gäste oder Schlafen suchen, in dem Stehhöhe nur teilweise nötig ist,
  • das Budget eng ist und die Optik des Daches unverändert bleiben soll.

Schleppgaube (Rückgaube): der Flächengewinn

Eine Schleppgaube hebt die rückwärtige Dachfläche an und schafft entlang der Gaubenbreite volle Raumhöhe. Der Aufpreis gegenüber Dachfenstern ist dort am sinnvollsten investiert, wo er Fläche von „halb angerechnet" auf „voll" hebt.

Typische Fälle:

  • Schlauchförmiger Grundriss: Ein langer Raum unter einem Satteldach wird durch die Gaube auf ganzer Länge nutzbar, etwa als Schlafzimmer mit Einbauschränken.
  • Bad im Dach: Dusche und WC brauchen Stehhöhe. Die Gaube schafft sie. Ein Duschbad im Dachgeschoss können Sie über die Option „bathroom" im Rechenmodell mit einpreisen; als Richtwert für die Dusche selbst sehen Sie unsere Seite zur Bodengleiche Dusche.
  • Rückseite ohne Sichtbarkeit: Gestalterische Auflagen sind hier meist weniger problematisch als zur Straße. Ob eine Genehmigung nötig ist, regelt die jeweilige Landesbauordnung und Ihre Gemeinde; fragen Sie früh nach.

Satteldachgaube (Giebelgaube): mehr Aufwand, mehr Raum

Die Satteldachgaube hat ein eigenes Dach mit Giebel. Sie ist konstruktiv aufwendiger, bietet aber oft eine großzügige, gut belichtete Raumnische, die sich für Arbeitsplatz, Sitzecke oder ein Kinderzimmer eignet. Wegen der zusätzlichen Dachflächen, Kehlen und Anschlüsse liegt sie preislich über der Schleppgaube, wie der Vergleich oben zeigt.

Sie lohnt sich vor allem, wenn:

  • die Gaube einen eigenen Raumcharakter bekommen soll (z. B. Erker mit Fensterfront),
  • die Straßenseite betroffen ist und die Optik zum Haus passen muss,
  • Sie nicht eine lange Wand, sondern einen punktuellen Raumgewinn brauchen.

Entscheidungshilfe nach Grundriss

Situation Empfehlung
Steiles Dach, hoher Kniestock Dachfenster reichen meist
Flaches Dach, niedrige Seitenwände Schleppgaube auf der Rückseite
Bad oder Treppenkopf soll ins Dach Gaube, damit Stehhöhe entsteht
Mehrere kleine Räume nebeneinander Mehrere Dachfenster, ggf. eine Gaube
Gestalterischer Anspruch zur Straße Satteldachgaube

Eine praktische Rechnung: Nehmen Sie den Aufpreis der Gaube und teilen Sie ihn durch die Quadratmeter, die dadurch von „halb" oder „nicht angerechnet" auf „voll" wechseln. Liegt dieser Wert deutlich unter dem Preis, den Sie für gleichwertige Fläche in einem Anbau zahlen würden, ist die Gaube die bessere Wahl.

Kosten, die oft vergessen werden

  • Rettungsweg: Aufenthaltsräume brauchen in jedem Geschoss zwei unabhängige Rettungswege. Nach Art. 31 BayBO, als Beispiel für die Landesbauordnungen, kann der zweite ein mit Feuerwehrgeräten erreichbares Fenster sein. Planen Sie Größe und Position der Fenster entsprechend, am besten schon bei der Wahl der Variante.
  • Fenster und Dämmung: Beim Dachausbau fallen häufig auch neue Fenster an. Unsere Seite zum Fenstertausch hilft bei der Einordnung.
  • Elektrik: Neue Leitungen und Anschlüsse dürfen nur eingetragene Fachbetriebe ausführen.
  • Bad: Wer ein Duschbad einbaut, sollte das von Anfang an im Angebot haben.

Förderung und Steuer

Für den Dachausbau selbst nennen wir keine pauschale Förderung. Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle wie Fenster und Dämmung können nach BAFA mit 15 % bezuschusst werden, mit individuellem Sanierungsfahrplan sind es 5 % mehr (iSFP-Bonus nur bei Vorhaben ab 30.000 €). Ob Ihre konkrete Maßnahme darunter fällt, klären Sie vor Auftragsvergabe. Alternativ gibt es die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG: 20 % der Arbeitskosten, höchstens 1.200 € pro Jahr, wenn nicht gefördert.

Angebote prüfen

Holen Sie mindestens drei Angebote ein und lassen Sie jede Variante getrennt ausweisen: Dachfenster, Schleppgaube, Satteldachgaube. Nur so sehen Sie den echten Aufpreis. Mit unserem Angebotscheck („Ist mein Angebot fair?") vergleichen Sie die Positionen mit unseren Marktwerten und erkennen, ob ein Preis aus dem Rahmen fällt.

Mehr aus der Redaktion